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18. Kapitel:
Im Inneren der Sternenklippe dringt Wito erst einmal alleine in Leuchmadans Hort vor. In der ursprünglichen Fassung war noch ausführlich aus Witos Sicht geschildert, wie er die Tür öffnet – im Buch erlebt man das aus Baskons Seite. Wer also genau wissen will, was Wito in der Zeit so getrieben hat – hier steht es.

next05Wito studierte die Tür genauer. Er konnte sehen, wie der Riegel aus dem Schloss ragte und in einer Führung an der Seite verschwand, von hier aus offen zugänglich. Es war nur ein dünner Metallstab – natürlich, mehr brauchte es auch nicht, um die Tür zu sichern, wenn dieser Metallstab auf magische Weise unzerstörbar war!
Wito kletterte auf den Tisch neben der Tür. An einigen Stellen fühlte das Holz sich schwammig an, und der ganze lange Tisch knarrte und ächzte. Irgendwo war ein Knacken zu hören, eine Glasapparatur einige Schritt weit entfernt wackelte. Klingend stießen Röhren und Kolben aneinander, dann stürzte die ganze Konstruktion zusammen und zerstob zu silbrigen Scherben. Wito hielt den Atem an.
Aber der Tisch hielt.
Behutsam richtete er sich auf und kam so problemlos an den Riegel. Er tropfte das Blut aus seiner Phiole darauf, erst einen Tropfen, dann noch einen, dann sicherheitshalber einen dritten. Er wusste nicht, wie viel von dem Blut nötig war, um das magische Metall zu erweichen.
Die dunklen Tropfen rannen von dem Hals aus Metallglas, tropften auf das Silber und verliefen sich. Kein Schimmer, keine Verfärbung war noch darauf sichtbar. Es war, als würde das Metall das Blut der Erde trinken.
Wito beäugte den Riegel misstrauisch, dann stocherte er mit der Spitze des Knochenmessers daran herum. Mühelos konnte er ihn aus der Führung ziehen. Er war so biegsam geworden wie ein Blumenstengel.
»Baskon!«, rief er. Nichts geschah.
Eilig steckte Wito das Messer wieder ein und kletterte vom Tisch herab. Dann stellte er die Phiole mit dem Blut der Erde auf dem Tisch neben der Tür ab. Sie war noch mehr als zur Hälfte gefüllt, und Baskon würde sie womöglich brauchen, wenn sie doch noch mal das Türschloss benutzen wollten.
Daraufhin ergriff der Gnom mit beiden Händen die schwere Felsentüre und zog. Sie bewegte sich unter seinen Fingern, aber es war kaum mehr als ein Zittern. Der Stein war einfach zu schwer für einen Gnom.
»Baskon«, rief er wieder. »Die Tür ist entriegelt!«
Er zog weiter, und ein winziger Spalt tat sich auf. Dann spürte plötzlich einen Druck von der anderen Seite, und hastig wich er zurück, um nicht hinter dem Felsblock eingeklemmt zu werden.
Baskon trat ein. Er ließ die Tür halb offen hinter sich stehen und trat einen Schritt in den Raum. Suchend bewegte sich der Helm. Seine Aura schien noch angewachsen zu sein. Der Wardu schien sich nur kurz für die Kammer zu interessieren. Er streckte einen Arm aus, machte einen Moment lang den Eindruck, als würde er tiefer in den Raum hineinschreiten wollen, etwas erkunden, etwas ertasten. Dann aber machte er abrupt kehrt und wandte sich der Tür zu. Er hob den Finger an den verbogenen Riegel, schaute dann wieder zu Wito und trat auf ihn zu.
Der Gnom wich zurück, so intensiv fuhr ihm das Summen ins Gebein, das Baskon umgab.

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